Die Globalisierung hat, um mich des schönen Klischeebildes der Medallie zu bedienen, zwei Seiten. Und wenn die eine Seite nun sagen wir mal „Mc Donalds“ ist, dann ist die andere Seite Manu Chao. Die andere Seite ist aber eindeutig mehr als das Klischeebildes des Protestes und sie ist fraglos abhängig, vielleicht sogar Ausdruck der erste Seite. Manu Chao ist also, wenn wir diese Gleichung zu Ende führen, mehr als die Ikone der Globalisierungsgegner, von der in der Berichterstattung rund um sein neues Album oft die Rede ist. Er ist Ausdruck der Globalisierung, auch wenn er keine Francisingkette ist, aber ein Album in vier oder mehr Sprachen, das überall auf der Welt aufgenommen wurde ist zweifellos Globalisierung in Reinkultur, halt nur positive Globalisierung.
Man könnte dieses ganze Globalisierungsding jetzt noch weiter ausbauen, wenn man z.B. bedenkt, dass er war bei einem kleinen Indielabel „Because Music“ ist, seine CD aber von Warner vertrieben wird, er aber statt in einem fünf Sterne Hotel seine Interviews lieber im Biergarten in München gibt oder oder oder.
Das also ist Manu Chao, stellt sich anschließend die Frage, was ist sein Album oder besser wie ist sein Album. Das Erste, was auffällt, ist, dass es erstaunlich gitarrenlastig ist, e-gitarrenlastig. Und die erste Single „Rainin in Paradise“ ist ein exaktes Abbild dieser Veränderung. Der Song hat nur noch wenig mit dem Manu Chao des Clandestino Albums zu tun. Tracks wie“Mama Cuchara“ oder „The Bleedin Clown“ sind andere Beispiele für die Veränderung hin zur E-Gitarre. Manche der Songs sind so gitarrenlastig, dass sie ohne Probleme in einer (etwas geräumigeren) Indieschublade platzt hätten.
Es finden sich aber noch genung Stücke auf dem Album, die so unverkennbar Manu Chao sind wie eh und je. “La Vida Tombola“, ein Song über die argentinische Fußballlegende Diego Maradona, oder „Me Llaman Calle“, ein Song der mit dem Goya (spanischen Filmpreis) ausgezeichnet wurde, sind solche Songs, die in ihrem Alternative-Reggae-Kleid ohne Probleme auch auf „Clandestino“ platzt gehabt hätten.
Aufgenommen wurde das Album mit seiner Liveband „Radio Bemba“ und man hört, dass sie im Vergleich zu „Proxima Estacion: Esperanza“ im deutlich eingespielter sind und das ganze deutlich runder klingt, auch wenn es überall auf der Welt aufgenommen wurde, mit seinem mobilen „Rucksack-Studio“ und aus vielen Versatzstücken zusammen gesetzt wurde. Aber genau das macht Album rund und man findet immer mal was wieder, wie die Melodie von „El Kitapena“ im Intro von „El Hoyo“. Trotz der Professionalisierung auf der einen Seite mit seiner Band, wohnt dem Sound das handgemachte inne, das man z.B. von dem grandiosen Live Album kennt. An das Live Album, in dem die Songs auch nie zu Ende kamen erinnert „La Radiolina“ ohnehin streckenweise, da die Songs teilweise mit unter zwei Minuten etwas kurz geraten sind.
Um alle Texte lückenlos zu verstehen muss man schon sehr weltgewannt sein, denn Manu Chao springt teilweise in einem Songs zwischen seinen Sprachen Französisch, Englisch, Spanisch oder Portugiesisch. Auf der anderen Seite sind die Lyrics allerdings so leicht verständlich, dass man sie überall versteht. Der starke Country-Reggae „Politik Kills“ in schönstem kaputtem Englisch z.B., das zwar auf den ersten Blick etwas platt wirkt mit Zeilen wie „politik use drugs, politik use bombs, politik needs torpedos, politiks needs blood. Thats why my friend, its an evidence… politik is violence“, aber in seinem gesamten (musikalischen) Kontext mehr zu bieten hat als linke Plattitüden. Und es sind auch seine straßen-poetischen Texte wie eben „Politik Kills“ oder bei „The Bleedin Clowne“ die dem, zugegeben anfangs etwas gewöhnungsbedürftigen, Album seinen Charme verleihen.