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Manu Chao – La Radiolina – 2007

September 5, 2007 · Kommentar schreiben

Die Globalisierung hat, um mich des schönen Klischeebildes der Medallie zu bedienen, zwei Seiten. Und wenn die eine Seite nun sagen wir mal „Mc Donalds“ ist, dann ist die andere Seite Manu Chao. Die andere Seite ist aber eindeutig mehr als das Klischeebildes des Protestes und sie ist fraglos abhängig, vielleicht sogar Ausdruck der erste Seite. Manu Chao ist also, wenn wir diese Gleichung zu Ende führen, mehr als die Ikone der Globalisierungsgegner, von der in der Berichterstattung rund um sein neues Album oft die Rede ist. Er ist Ausdruck der Globalisierung, auch wenn er keine Francisingkette ist, aber ein Album in vier oder mehr Sprachen, das überall auf der Welt aufgenommen wurde ist zweifellos Globalisierung in Reinkultur, halt nur positive Globalisierung.

Man könnte dieses ganze Globalisierungsding jetzt noch weiter ausbauen, wenn man z.B. bedenkt, dass er war bei einem kleinen Indielabel „Because Music“ ist, seine CD aber von Warner vertrieben wird, er aber statt in einem fünf Sterne Hotel seine Interviews lieber im Biergarten in München gibt oder oder oder.

Das also ist Manu Chao, stellt sich anschließend die Frage, was ist sein Album oder besser wie ist sein Album. Das Erste, was auffällt, ist, dass es erstaunlich gitarrenlastig ist, e-gitarrenlastig. Und die erste Single „Rainin in Paradise“ ist ein exaktes Abbild dieser Veränderung. Der Song hat nur noch wenig mit dem Manu Chao des Clandestino Albums zu tun. Tracks wie“Mama Cuchara“ oder „The Bleedin Clown“ sind andere Beispiele für die Veränderung hin zur E-Gitarre.  Manche der Songs sind so gitarrenlastig, dass sie ohne Probleme in einer (etwas geräumigeren) Indieschublade platzt hätten.

Es finden sich aber noch genung Stücke auf dem Album, die so unverkennbar Manu Chao sind wie eh und je. “La Vida Tombola“, ein Song über die argentinische Fußballlegende Diego Maradona, oder „Me Llaman Calle“, ein Song der mit dem Goya (spanischen Filmpreis) ausgezeichnet wurde, sind solche Songs, die in ihrem Alternative-Reggae-Kleid ohne Probleme auch auf „Clandestino“ platzt gehabt hätten.

Aufgenommen wurde das Album mit seiner Liveband „Radio Bemba“ und man hört, dass sie im Vergleich zu „Proxima Estacion: Esperanza“ im deutlich eingespielter sind und das ganze deutlich runder klingt, auch wenn es überall auf der Welt aufgenommen wurde, mit seinem mobilen „Rucksack-Studio“ und aus vielen Versatzstücken zusammen gesetzt wurde. Aber genau das macht Album rund und man findet immer mal was wieder, wie die Melodie von „El Kitapena“ im Intro von „El Hoyo“. Trotz der Professionalisierung auf der einen Seite mit seiner Band, wohnt dem Sound das handgemachte inne, das man z.B. von dem grandiosen Live Album kennt. An das Live Album, in dem die Songs auch nie zu Ende kamen erinnert „La Radiolina“ ohnehin streckenweise, da die Songs teilweise mit unter zwei Minuten etwas kurz geraten sind.

Um alle Texte lückenlos zu verstehen muss man schon sehr weltgewannt sein, denn Manu Chao springt teilweise in einem Songs zwischen seinen Sprachen Französisch, Englisch, Spanisch oder Portugiesisch. Auf der anderen Seite sind die Lyrics allerdings so leicht verständlich, dass man sie überall versteht. Der starke Country-Reggae „Politik Kills“ in schönstem kaputtem Englisch z.B., das zwar auf den ersten Blick etwas platt wirkt mit Zeilen wie „politik use drugs, politik use bombs, politik needs torpedos, politiks needs blood. Thats why my friend, its an evidence… politik is violence“, aber in seinem gesamten (musikalischen) Kontext mehr zu bieten hat als linke Plattitüden. Und es sind auch seine straßen-poetischen Texte wie eben „Politik Kills“ oder bei „The Bleedin Clowne“ die dem, zugegeben anfangs etwas gewöhnungsbedürftigen, Album seinen Charme verleihen.

Kategorien: Musik

Kinderzimmer Productions – Asphalt – 2007

August 9, 2007 · Kommentar schreiben

Kinderzimmer Production, das sind der Rapper Textor aka Henrik von Holtum und der DJ Quasimodo aka Q-Mo aka Sascha Klammt aus Ulm. Zumindestens früher aus Ulm, heute wohnt Textor in Berlin, während Quasimodo in Ulm geblieben ist. Ihr erstes Album brachten die zwei 1994 auf den Markt, als der HipHop in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte, nach eigenen Angaben machen sie aber schon seit Ende der 80er zusammen Musik.

<p>Am 22.Juni dieses Jahres ist jetzt das neue Album raus gekommen, das sechste, neben vier EPs und der neu Auflage ihres ersten Albums. Gleich vorne weg, auch wenn Textor jetzt in Berlin wohnt, mit HipHop wie man ihn heute gewohnt ist, hat das ganze herzlich wenig zutun. Auch allen Technikfetischisten rate ich von diesem Album ab. „Ich repräsentiere einen Scheiss, ich bin einfach nur da…“ rappt Textor direkt im ersten Track „Das T“ über einen für Kinderzimmerverhältnisse relativ eingängigen Samplebeat. Samplebeats gibt es auf diesem Album in Hülle und Fülle die von eingängig üppigen wie bei „Das T“ über minimalistische, wie bei dem ausgesprochen amüsanten Track „Geh Kaputt“, der vom Leben in der Großstadt und Problemen mit Nachbarn und echt harten Kumpanen handelt, bis hin zu absolut verschrobenen Beats wie bei „Kickstart mein Hirn, Boombox mein Herz“. Wenn man ohnehin schon für die meisten Kinderzimmer Tracks einige Durchläufe braucht bis sie sich wirklich rund anhören, ist das bei diesem Track unmöglich. Bei dem Refrain wird beispielsweise jedes Wort zu einem anderen Cut und der Beat holpert so durch seine dreieinhalb Minuten, dass es Textor gar nicht möglich ist einen harmonischen Text drüber zu rappen.

Textor ist vielleicht nicht Deutschlands bester MC, aber das ist auch garnicht nötig, viel lieber wird das HipHop-Geschehen mit seiner sehr speziellen Wortwahl parodiert: „Ich wedel’ meinen Dödel bis ich ejakulier’, während ich auf drei Handys simultan telefonier’!// Wählt 112Text, wenn euch der Funk fehlt, ich hau ’s euch um die Ohren, bis euch der Ringrichter anzählt//Ich geb’s dir, bevor du Zeit zum nein sagen hast, ich hab ein Ego, das in keinen Kleinwagen mehr passt!“. Die komplizierten Reime und das Trippletimespitting ist ohnehin nicht seine Metier, die Stärken des Albums liegen klar in witzigen Alltagsbeobachtungen und Geschichten, wie im Track „&on&on&on…“ oder Dendemann-Artigen Wortspielen wie „Wir haben dem Fass den Boden der Tatsachen ausgeschlagen. // Der Durchbruch ! Keine kleinen Brötchen mehr, Zeit zum Stollen backen. //Ey, nicht mit dem Kopf durch die durch die Wand, du machst nur Dellen in den Putz, wir brauchen einen Durchbruch, damit durchkommt was durch muss..“ in „Der Durchbruch“. Und den immer passenden Cuts und Samples von DJ Q-Mo.

Alles in allem ein Album für Leute, die nichts gegen verschrobene Musik haben und genau hinhören können um die vielen Feinheiten zu entdecken, die die Beats und die Lyrics zu bieten haben. Ein Album, das klingt wie aus einer anderen Zeit, denn auch wenn sich alle an die neuen Zeiten angepasst haben, haben Kinderzimmer Productions das noch lange nicht nötig.

Kategorien: Musik