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What the Bleep Do We Know – Dokumentarfilm – USA – 2004

August 23, 2007 · Kommentar schreiben

„What the Bleep Do We Know“ ist ein „Dokumentarfilm“ über die Quantenmechanik, Neurologie und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Menschen bzw. er wäre gerne ein Dokumentarfilm über die Quantenphysik, Neurologie und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Menschen. Auf Amazon wird der Film entweder vernichtet oder als die Erleuchtung gefeiert, Grund genung ihn mir mal anzuschauen.

Am Anfang des Films wird der Zuschauer erst einmal mit Fragen und Behauptungen der Interviewpartner bombardiert, ohne das dabei aber die Interviewpartner auch nur mit einem Untertitel vorgestellt werden, wem man die ganze Zeit zugehört hat, erfährt der Zuschauer erst ganz zum Schluss. Er erfährt auch erst zum Schluss, dass eine der Interviewten Judith Knight ist, die als Medium das Zentralorgan der Sekte „Ramtha’s School of Enlightenment“ ist, was, wenn man es weiß, die merkwürdig spirituelle Richtung erklärt, die der Film im Laufe der Zeit einschlägt. Unterstützend kommt hinzu, dass die drei Produzenten des Films Schüler dieser Sekte sind, wie Wikipedia verrät.

Man bekommt im Laufe des Films den nicht unberechtigten Eindruck, dass der Film einen nicht mit Argumenten überzeugen will, sondern „bequatschen“ will, der Film will einem nicht die Quatenmechanik oder Neurologie erklären, sondern den Zuschauer auf den Weg der Erleuchtung führen. Das beginnt mit dem oben geschilderten Anfang und zieht sich durch den ganzen Film, indem z.B. pseudowissenschaftliche „Erkenntnisse“ eingestreut werden oder Dinge postuliert werden, man sich aber nicht die Mühe macht sie zu erklären, so dass der Zuschauer eher von den ganzen Fremdwörtern und Theoremen erschlagen als überzeugt wird. Begleitet werden die Interviews von der fiktiven Geschichte um die gehörlose, in ihren schlechten Erinnerungen gefangene Fotografin Amanda (Marlee Matlin) und von unpräzisen aber „actionreichen“ Animationsfrequenzen in denen z.B. gummibär-artige Zellen im Organismus des Menschen randalieren. Die gespielten Szenen sind teilweise von einer Qualität, die VOX-Softpornos zum cineastischen Genuss machen und vermischen sich teilweise wie bei den Wasserstudien von Masaru Emoto, die als Wissenschaft nicht ernstzunehmen sind, aber einen durchaus zentraler Einfluss auf die fiktive Geschichte haben. Die Analogien die in der Geschichte gezogen werden sind wissenschaftlich hoch fragwürdig, wenn der hohle Ball erst auf das Vakuum im Universum und dann auf den Aufbau eines Atoms und eines Atomkerns übertragen wird.

Der deutsche Untertitel „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ ist die zentrale Aussage des Films, der in seinen Interviews versucht die Wahrnehmung von pysischen und psychischen Erfahrungen, das gesamte Weltbild der Zuschauer zu demontieren. Der Film knüpft in gewisserweise an die Idee von „Matrix“ an, in dessen ersten Teil es ja auch um die Dekonstruktion des Weltbildes von Neo geht. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt und „What the Bleep Do We Know“ nie an die Qualität von „Matrix“ heran reicht, begeht auch „What the Bleep Do We Know“ seinen größten Fehler, als er die Bahnen der Wissenschaft verlässt und sich auf eine metaphysische Ebene begibt, indem er versucht ein Gottesbild zu konstruieren bzw. sich auf die Fragen der Sinngebung einläßt, wie die späteren „Matrix“-Teile.

Aus „V wie Vendetta“ ist glaube ich das Zitat, „~dass Politiker lügen um die Wahrheit zu verschleiern, während Künstler lügen um die Wahrheit zu zeigen“. So ähnlich verhält es sich mit diesem Film aus der Feder der “Ramtha’s School of Enlightenment“-Sekte, der als politischer Film den Zuschauer erleuchten will und dabei viel der Wahrheit verschleiert, während einen ein Film wie „Matrix“, der vor allem unterhalten will, der ehrlichere Film ist der auch mehr zum Denken anregt. Wer also einen interessanten Film über das (Nicht-)Wissen sucht ist mit vielem besser beraten, als mit diesem manipulativen Film. Auch wenn die Idee nicht schlecht ist, ist das, was daraus gemacht wurde, nur schwer zu ertragen.

Zusatz: Die offizielle Website von Bleep erklärt, das Judi Knight nichts mit der Ramtha Sekte zu tun hat und es sich um eine Verwechslung mit einer anderen Frau handelt. Die fragwürdige Spiritualität bleibt, auch ohne konkreten Sektenhintergrund. Fragwürdig außerdem, dass auf der Homepage für ein „freespirit“ Seminar geworben wird, dass mit 2000€ sicherlich nicht gerade als Schnäppchen zu beschreiben ist.

What the Bleep Do We Know – USA – 2004: Regie: William Arntz, Betsy Chasse, Mark Vicente; Buch: William Arntz, Betsy Chasse, Matthew Hoffmann, Mark Vicente; Kamera: David Bridges, Mark Vicente; Schnitt: Jonathan P. Shaw; Mit: Marlee Matlin, Elaine Hendrix, Barry Newman… Interviewpartner: William Tiller, Emoto Masaru, Judith Knight

Kategorien: Dokumentarfilm · Film

Eine unbequeme Wahrheit – Dokumentarfilm – USA 2006

August 12, 2007 · Kommentar schreiben

Der Klimaschutz, ein Thema das trotz Sommerloch wieder in den Hintergrund gerückt ist, nachdem jedes Medium, das was auf sich hält ausgiebig darüber berichtet hatte. Der Film, der als Flagschiff aller Klimaschützer immer wieder zitiert wurde und wird ist Al Gores Film „Eine unbequeme Wahrheit“, ein Film der vor allem zum richtigen Zeitpunkt kam. Ich habe es jetzt auch endlich geschafft ihn mir anzuschauen.

Al Gores Film über den Klimawandel ist weniger ein Film, als eine Abfilmung seiner Diavorträge, die er seit langer Zeit überall auf der Welt hält, gespickt mit filmischen Versatzstücken. Das es ihm durchaus ernst ist mit dem Thema ist offensichtlich, denn wie der Film erzählt, hat sich Gore schon zu seiner Studienzeit mit der Erderwärmung beschäftigt, als die meisten Menschen noch nie etwas davon gehört hatten. Es war für mich schon überraschend zu erfahren, dass schon in den 1960er Jahren relativ gesicherte Erkenntnisse darüber existierten, wie sich die Erderwärmung entwickeln würde und welche Konsequenzen das für die Menschen auf der Erde mit sich bringen würde.

In seine Vortrag vermittelt er verständlich und fundiert den Sachverhalt, von den geographischen Grundlagen, den Ursachen, der wissenschaftlichen Arbeit und immer und immer wieder die Auswirkungen die die Erderwärmung auf unseren Planeten haben wird. Stets ist er bemüht, wissenschaftliche Sachverhalte, die Wissenschaft bzw. wissenschaftlich ist wahrscheinlich neben dramatisch sein meist benutztes Wort, verständlich, aber nicht weniger richtig darzustellen. Da es sich primär um einen Diavortrag handelt, sind es vor allem Grafiken über die Entwicklung bestimmter Werte, wie der Temperatur in der Arktis, der Effizienz amerikanischer PKWs oder den Auswirkungen des Abschmelzens von Grönland auf die verschiedensten Erdteile und Fotos die er zur Visualisierung seiner Botschaft einsetzt. Professionell inszeniert er „den Rahmen sprengende“ Entwicklungen auf seinen Grafiken oder kontrastiert Fotos von unberührter Natur mit Umweltverschmutzung und der Katastrophe von New Orleans. Und nicht selten kommt dabei Endzeitstimmung auf, wie man sie aus Katastrophenfilmen wie Roland Emmerichs „The Day After Tomorrow“ kennt.

Das genau ist auch einer der Kritikpunkte an Al Gores Film, weil wo der Zwang entsteht komplizierte Sachverhalte einfach zu erklären ist der Populismus nicht weit, so etwa bei der zwar lustigen, inhaltlich aber vor allem auf Diskreditierung des Gegners ausgelegten Comicszene zu Anfang des Films. So werden an manchen Stellen durchaus Michael Moore’sche Erinnerungen wach, die ein Mann wie Al Gore nicht nötig haben sollte, auch wenn er den Amerikanern die globale Bedeutung des Klimawandels deutlich machen will. Schockierend ist es aber schon, wenn er aufdeckt, wie Berater der Bush Administration versuchen, die Tatsache des Klimawandels wieder auf eine bloße Theorie weniger Wissenschaftler zu verkürzen.

Auch die im Film in regelmäßigen Abständen eingebetteten Rückblicke sind meiner Meinung nach und halbherzig in den Film integriert worden. Der Vergleich zu dem Verhalten seiner Familie mit dem Tabakanbau, den sie nach dem Tod einer Freundin, nachdem Bekanntwerden der Folgen von Tabakkonsum eingestellt haben, passt noch ziemlich gut. Was aber der schwere Unfall seines Sohnes im Alter von sechs Jahren oder seine Niederlage im Präsidentschaftswahlkampf im Jahre 2000 in dem Film zu suchen hat, wird mir nicht wirklich klar. Viele der Rückblicke in seine Recherchearbeit wirken gestellt und unauthentisch, was der sonst sehr hohen Glaubwürdigkeit des Films nicht zu gute kommt, genau wie der übertriebene Pathos in dem er die anderen großen Errungenschaften der amerikanischen Gesellschaft und ihrer Vorbildfunktion für die Welt preist.

Es bleibt ein hoch informativer und unterhaltender Film bzw. doch eher Diavortrag über die Erderwärmung und seine Konsequenzen für die Menschheit. Es gelingt Al Gore sein Anliegen glaubhaft und verständlich zu schildern, auch wenn er sich dabei oft am Rande des Populismus bewegt und der Film an mancher Stelle künstlich mit z.B. spektakulärem Getöse eines Abbrechende Gletschers aufgeblasen wurde, aber der Film sollte schließlich ein breites Publikum ansprechen und das ist ihm sicherlich gelungen.

Kategorien: Dokumentarfilm · Film

2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß – Dokumentarfilm – 2004 – ARD 07.08.07

August 8, 2007 · Kommentar schreiben

„Mein Bild von ihm hat sich nicht geändert“ so beginnt dieser Film mit den Worten der Tochter Barbel über ihren Vater Hanns Ludin, einen verurteilten Kriegsverbrecher und ehemaligen SA-Obergruppenführer. Diese Aussage wird sich, in abgeänderter Form, durch den ganzen Film ziehen, während Malte Ludin, der Regisseur und Sohn von Hanns Ludin, eifrig dagegen ankämpfen wird.

In dem Film begleitet sich Malte Ludin selbst bei seinen Recherchen und seiner Reise in die Vergangenheit. Der Vater war ein idealistischer, schwärmerischer junger Mann, als er 1931 in die NSDAP eintrat und schon zur Machtübernahme Hitlers ‘33 war er Führer in der SA-Gruppe Südwest. Vorher wurde er aus der Reichswehr entlassen und verhaftet, weil er mit einem Kameraden versucht hatte Kontakt zu Hitler aufzunehmen. 1941 wurde er zu Hitlers Gesanntem in der Slowakei und lebte dort mit seiner Familie in einer arisierten Villa. Er stand bis zum Schluss zu dem, was er getan hatte und woran ergeglaubt hat. Er wurde 1947 hingerichtet, seine Frau stand stets loyal an seiner Seite.

Der Film ist eine Familienchronik, eine Collage aus alten Familienfotos, privaten Filmaufnahmen, zeitgeschichtlichen Dokumenten, fremden und eigenen Interviews und ruhiger Bilder Malte Ludins’ Suche. Die Enttäuschung über den Vater fließt unaufhaltsam aus jeder Szene, aus jedem Bild des Films. Es scheint fast, als könne der Regisseur positive Erinnerungen nicht ertragen, auch wenn er das, wenn er damit konfrontiert wird, stets abstreitet und sagt er habe immer gehofft noch etwas zufinden, was seinen Vater entlasten könnte. Die Schuld die Hanns Ludin auf sich geladen hat droht stellenweise den gesamten Film zu erdrücken und ihm so das letzte Quentchen Hoffnung zu rauben.

Deutlich wird dieser Druck besonders dann, wenn die fröhlichen Kindheitserinnerungen der älter Schwester, mit dem Erlebten der Vertrieben oder Fotos des Vaters in NS-Uniformen kontrastiert werden. Vor allem die filmischen Antworten die Malte auf die Ansichten seiner Schwester Barbel findet, vermitteln den Eindruck eines innerfamiliären Kampfes der auf der großen Bühne ausgetragen werden soll.

Neben dem sehr persönlichen und stellenweise hoch emotionalen Familienportrait breitet Ludin den historischen Kontext seines Films aus. Er sucht die Opfer auf, die aus Bratislava fliehen mussten, sucht Zeitzeugen von
dem Leben und Wirken seines Vaters. Eindrucksvoll beispielsweise der Dichter, dessen Eltern auf Befehl von Hanns Ludin deportiert wurden. Immerwieder führt Malte Ludin historische Dokumente an, die Zeugnis ablegen von dem Wirken seines Vaters und seinem Wissen über das, was auf seine Anordnungen geschah. An dieser Stelle zeigt sich der Bruch in der Familie am deutlichsten, alle anderen Geschwister und allen voran Barbel streiten ab, dass ihr Vater etwas von der Judenvergasung gewusst haben soll, sie bezeichnet ihn sogar selbst als Opfer der Zeit.

So zieht sich das unveränderte Bild aus dem ersten Satz durch den gesamten Film, da beide Parteien auf ihrem Standpunkt bestehen und es in einem Film der die Ignoranz in der ersten Szene postuliert keine Einsicht hinter der formalen Erkenntnis geben kann. Nicht für Barbel, die ihren Vater glorifiziert und nicht für den alt ‘68 Malte, für den sein Vater scheinbar hauptsächlich der Nazi bleibt. Vielleicht hat der Mann der Schwester Ellen recht, wenn er sagt, dass man den eigenen Kindern das letzte Stück Hoffnung lassen sollte. Es bleibt ein interessanter, persönlicher Film über die große Gesichte.

Kategorien: Dokumentarfilm · Film