„What the Bleep Do We Know“ ist ein „Dokumentarfilm“ über die Quantenmechanik, Neurologie und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Menschen bzw. er wäre gerne ein Dokumentarfilm über die Quantenphysik, Neurologie und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Menschen. Auf Amazon wird der Film entweder vernichtet oder als die Erleuchtung gefeiert, Grund genung ihn mir mal anzuschauen.
Am Anfang des Films wird der Zuschauer erst einmal mit Fragen und Behauptungen der Interviewpartner bombardiert, ohne das dabei aber die Interviewpartner auch nur mit einem Untertitel vorgestellt werden, wem man die ganze Zeit zugehört hat, erfährt der Zuschauer erst ganz zum Schluss. Er erfährt auch erst zum Schluss, dass eine der Interviewten Judith Knight ist, die als Medium das Zentralorgan der Sekte „Ramtha’s School of Enlightenment“ ist, was, wenn man es weiß, die merkwürdig spirituelle Richtung erklärt, die der Film im Laufe der Zeit einschlägt. Unterstützend kommt hinzu, dass die drei Produzenten des Films Schüler dieser Sekte sind, wie Wikipedia verrät.
Man bekommt im Laufe des Films den nicht unberechtigten Eindruck, dass der Film einen nicht mit Argumenten überzeugen will, sondern „bequatschen“ will, der Film will einem nicht die Quatenmechanik oder Neurologie erklären, sondern den Zuschauer auf den Weg der Erleuchtung führen. Das beginnt mit dem oben geschilderten Anfang und zieht sich durch den ganzen Film, indem z.B. pseudowissenschaftliche „Erkenntnisse“ eingestreut werden oder Dinge postuliert werden, man sich aber nicht die Mühe macht sie zu erklären, so dass der Zuschauer eher von den ganzen Fremdwörtern und Theoremen erschlagen als überzeugt wird. Begleitet werden die Interviews von der fiktiven Geschichte um die gehörlose, in ihren schlechten Erinnerungen gefangene Fotografin Amanda (Marlee Matlin) und von unpräzisen aber „actionreichen“ Animationsfrequenzen in denen z.B. gummibär-artige Zellen im Organismus des Menschen randalieren. Die gespielten Szenen sind teilweise von einer Qualität, die VOX-Softpornos zum cineastischen Genuss machen und vermischen sich teilweise wie bei den Wasserstudien von Masaru Emoto, die als Wissenschaft nicht ernstzunehmen sind, aber einen durchaus zentraler Einfluss auf die fiktive Geschichte haben. Die Analogien die in der Geschichte gezogen werden sind wissenschaftlich hoch fragwürdig, wenn der hohle Ball erst auf das Vakuum im Universum und dann auf den Aufbau eines Atoms und eines Atomkerns übertragen wird.
Der deutsche Untertitel „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ ist die zentrale Aussage des Films, der in seinen Interviews versucht die Wahrnehmung von pysischen und psychischen Erfahrungen, das gesamte Weltbild der Zuschauer zu demontieren. Der Film knüpft in gewisserweise an die Idee von „Matrix“ an, in dessen ersten Teil es ja auch um die Dekonstruktion des Weltbildes von Neo geht. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt und „What the Bleep Do We Know“ nie an die Qualität von „Matrix“ heran reicht, begeht auch „What the Bleep Do We Know“ seinen größten Fehler, als er die Bahnen der Wissenschaft verlässt und sich auf eine metaphysische Ebene begibt, indem er versucht ein Gottesbild zu konstruieren bzw. sich auf die Fragen der Sinngebung einläßt, wie die späteren „Matrix“-Teile.
Aus „V wie Vendetta“ ist glaube ich das Zitat, „~dass Politiker lügen um die Wahrheit zu verschleiern, während Künstler lügen um die Wahrheit zu zeigen“. So ähnlich verhält es sich mit diesem Film aus der Feder der “Ramtha’s School of Enlightenment“-Sekte, der als politischer Film den Zuschauer erleuchten will und dabei viel der Wahrheit verschleiert, während einen ein Film wie „Matrix“, der vor allem unterhalten will, der ehrlichere Film ist der auch mehr zum Denken anregt. Wer also einen interessanten Film über das (Nicht-)Wissen sucht ist mit vielem besser beraten, als mit diesem manipulativen Film. Auch wenn die Idee nicht schlecht ist, ist das, was daraus gemacht wurde, nur schwer zu ertragen.
Zusatz: Die offizielle Website von Bleep erklärt, das Judi Knight nichts mit der Ramtha Sekte zu tun hat und es sich um eine Verwechslung mit einer anderen Frau handelt. Die fragwürdige Spiritualität bleibt, auch ohne konkreten Sektenhintergrund. Fragwürdig außerdem, dass auf der Homepage für ein „freespirit“ Seminar geworben wird, dass mit 2000€ sicherlich nicht gerade als Schnäppchen zu beschreiben ist.
What the Bleep Do We Know – USA – 2004: Regie: William Arntz, Betsy Chasse, Mark Vicente; Buch: William Arntz, Betsy Chasse, Matthew Hoffmann, Mark Vicente; Kamera: David Bridges, Mark Vicente; Schnitt: Jonathan P. Shaw; Mit: Marlee Matlin, Elaine Hendrix, Barry Newman… Interviewpartner: William Tiller, Emoto Masaru, Judith Knight