Low Budget Blog

Beiträge vom September 2007

Bourne Ultimatum – USA – 2007

September 18, 2007 · Kommentar schreiben

Eine moderne Triologie, die es schafft mehr zu sein als nur das Ausbeuten des ersten Erfolgs und sich nichtmal hinreißen lässt die Qualität etwas abreißen zu lassen. Jason Bourne (Matt Damon), der in den beiden Vorgängerfilmen „Bourne Identität“ und „Bourne Verschwörung“, schon so durch ziemlich jede größere europäische Stadt gehetzt ist, wieder geflohen ist, sich zwischenzeitlich mit Freundin nachIndien abgesetzt hatte und doch wieder von seiner Vergangenheit eingeholt wurde, will es dieses mal endlich für immer zu Ende bringen, vorerst zumindestens.

Die Story ist schnell erzählt und unterscheidet sich nicht grundsätzlich von den Vorgängern, was nicht verwunderlich, schließlich hat sich Jason Bournes Lage seit dem ersten Film nur geringfügig verbessert und er kämpft weiter gegen einen scheinbar übermächtigen Feind, für seine eigene Identität. Die Handlung setzt, scheinbar, genau dort an, wo der zweite Film aufgehört hat, in Moskau auf der Flucht vor der moskauer Polizei. Aus der Zeitung erfährt er, dass der Journalist Sam Ross (Paddy Considine) in seiner Sache recherchiert, der inzwischen auf ziemlich brisante Informationen gestoßen ist und vom CIA überwacht wird. Machen wir es kurz der Reporter stirbt.
Auf der Suche nach dessen Informaten verschlägt es Bourne nach Tanger / Marokko, auch dieser Informant stirbt, also bleibt ihm nur über sich in die Höhle des Löwen zu begeben um sein Geheimnis zu lüften.  Das Ende ist dann doch etwas vorhersehrbar und präsentiert eigentlich keine Informationen, die man nicht ohnehin schon kennt oder sich zusammenreimen könnte, wenn man Teil 1&2 gesehen hat.  Macht aber nix, die etwas simpele Story schmälert den Unterhaltungswert nämlich nicht wirklich.

Unterhalten wird man dadurch, dass man nie wirklich zu Ruhe kommt in den 115 Minuten des Film, ständig ist man in einer anderen Stadt, ständig ist Bourne auf der Flucht und wie immer wollen die CIA Oberen, in diesem Fall David Strathairn (Good Night, and Good Luck, L.A. Confidential) als Noah Vosen, nicht mit ihm reden, sondern ihm möglichst schnell liquidieren. Die Ruhelosigkeit wird unterstützt durch eine konstante Spannung und einem Gefühl der Bedrohung dem Bourne stets ausgesetzt, nie ist er für längere Zeit irgendwo sicher.
Sehr nett gemacht auch die Veschwörungen und Bände innerhalb der CIA, den Fahndungsmethoden etc.. Bei den nicht gerade zimperlichen Methoden der CIA lässt Regisseur Paul Greengras (Bourne Verschwörung, Flug 93) durchaus Kritik an den Mitteln zur Terrorabwehr anklingen, wenn sich die „Ermittler“ z.B. kurzer Hand in Kamerasteuerung des londoner Bahnhofs „Waterloo“ einklinken um ihren Killer zu dirigieren oder mit wenigen Befehlen den Reporter Ross zum gläsernen Menschen machen.

Etwas zu hektisch wird es aber dann doch manchmal, wenn beispielsweise die Flashbacks einsetzen und Bourne sich an ein paar neue Versatzstücke seiner Vergangenheit erinnert oder bei der Verfolgungsjagd, wo er quer durch Manhatten gejagd wird und man wegen der vielen Schnitte oft nicht mehr richtig weiss wo vorne und hinten, ist und wer wen wo verfolgt. Die Actionszenen sind aber bis auf ihre teilweise etwas übertriebene Geschwindigkeit aber sehr ansehnlich gemacht, z.B. wenn Matt Damon (Departed – Unter Feinden, The Good Shepard) im Parkour-Stil inTanger über Dächter und durch Wohnungen sprintet und springt.
Ein weiteres kleines Manko sind noch Kamera und Schnitt, die ganz dem Diktat des Gefühls der Flucht untergeordnet ist, so dass die Kamera reichlich wackelt und manche Einstellungen etwas willkürlich wirken, außerdem wird zwar sehr schnell aber doch eher konventionell geschnitten, auch hier hätte man wohl noch etwas rausholen können.. „Bourne Ultimatum“ erfindet den Action-Thriller nicht neu, sondern knüpft da an, wo „Bourne Verschwörung“ aufgehört hat und liefert modernes Action Kino, das rasant und spannend die Reihe hoffentlich zu ende führt, da das Ende doch noch einen Schuss finaler hätte sein können.

Bourne Ultimatum – USA – 2007 – Regie: Paul Greengras; Buch: Tony Gilroy, George Nolfi, Scott Z. Burns; Kamera: Oliver Wood; Schnitt: Christopher Rouse; Mit: Matt Damon, Julia Stiles, David Strathairn, Scott Glenn, Paddy Considine, Edgar Ramirez, Albert Finney, Joan Allen, Daniel Brühl…

Kategorien: Film

Hexenkessel – USA – 1973

September 16, 2007 · Kommentar schreiben

„Du bezahlst deine Sünden nicht in der Kirche… du zahlst auf der Straße“ und eigentlich wäre damit schon alles gesagt über den Film, weil was folgt ist Scorsese wie man ihn kennt. Und nach eigenen Angaben ist der Film wie die Welt, die Scorsese kennt, in der er aufgewachsen ist.

Sein Freund Johnny Boy (Robert De Niro) , der etwas an einen agressiven und psychotischen Rocky (I) erinnert, hat sich im ganzen Viertel Feinde und Schulden gemacht. Dessen Cousine Teresa (Amy Robinson) leidet an Epilepsi und ist damit für die meisten damit nur eine Irre. Sein Onkel ist der Boss einer Mafiafamilie und will, dass er ein Restaurant im Viertel übernimmt und er Charlie (Harvey Keitel) steckt mitten drin, er liebt Teresa, was ihn nur in Schwierigkeiten bringt und seine Freunschaft, fast eher Patenschaft mit Johnny trägt auch nicht gerade zur Entspannung der Situation bei. Dessen Leben scheint völlig außer Kontrolle geraten zu sein, er geht nicht mehr zur Arbeit, legt sich mit jedem an und ist außerdem noch ein Spieler. Charlie versucht Johnny zu schützen und die Situation zu entspannen, aber statt dessen spitzt sie sich immer weiter zu und sie endet, wie eben Filme von Scorsese überlicherweise enden.

Man merkt dem Film sein Alter an, nicht dass er zu altmodisch wirken würde, das ist bei diesem Genre ohnehin fast nicht möglich, aber aber die zwei Hauptdarsteller Robert De Niro (Es war einmal in Amerika, Heat) und Harvey Keitel (Reservoir Dogs, From Dusk Till Dawn), die zusammen noch einmal bei „Taxi Driver“ vor der Kamera standen und heute etablierte Stars sind, sind hier noch ganz am Anfang ihrer Karriere und entsprechend jung, so dass z.B. Harvey Keitel die markenten Gesichtszüge fehlen. Hat man sich aber an diesen Umstand gewöhnt, spielen die beiden gewohnt souverän. Sie überzeugen beide in ihren Rollen, De Niro als der psychotische Johnny und Keitel als der eher bodenständigen Charlie, der auf der anderen Seite aber zwischen den Ansprüchen seiner Umwelt und seinem eigenen Weltbild, seinem Gewissen und seiner Beziehung zu Teresa hin und hergerissen ist.

Der Film, alle handelden Personen sind den Gesetzen des Viertels unterworfen und diese Gesetze produzieren eine gefährliche Mischung aus übersteigertem Ehrgefühl, Loyalität, Korruption und Verlogenheit. Johnny ist sich durchaus bewusst, dass er alle Regeln überschreitet und er sich Geld leiht und nie vor hat es wieder zurück zu zahlen, wie er einen Schuldner verspottend zugibt. Er ist sich nur nicht den Konsequenzen bewusst, die sein Verhalten mit sich bringen. Ganz anders Charlie, der sich vor nichts mehr zu fürchten scheint als vor Konsequenzen, er will das Restaurant nicht übernehmen, der Konsequenzen wegen, er kann Teresa nicht sagen, dass er sie liebt und mir ihr zusammen ziehen, der Konsequenzen wegen und als er zum Schluss vor all den Konsequenzen fliehen will, die sein und Johnnys Verhalten zur Folge habe, kanne es nur scheitern.

Scorseses (Departed – Unter Feinden, Good Fellas) Regie lässt auch in einem so frühen Film von ihm sein Talent erkennen, wenn Charlie durch die Bar torkelt, kann man seine Trunkenheit bestens nach fühlen, was nicht zu letzt auch einer großartigen Kamera geschuldet ist. Oder wenn die Freunde vor einer ungleichen Schlägerei in einem Billiardclub flüchten wollen, hat es ähnlich wie in seinem Meisterwerk „Wie ein wilder Stier“, den Eindruck der Zuschauer sei selbst Opfer der Schläge. Ein starker früher Scorsese auf jeden Fall, der zwar nicht das Tempo neuerer Produktionen hat und noch nicht zu letzter Reife gelangte Schauspieler, aber nicht desto trotz überzeugen kann.

Hexenkessel – USA – 1973 – Regie: Martin Scorsese; Buch: Martin Scorsese, Mardik Martin; Kamera: Kent L. Wakeford; Mit: Robert De Niro, Harvel Keitel, David Proval, Amy Robinson, Richard Romanus, Robert Carradine…

Kategorien: Film

Manu Chao – La Radiolina – 2007

September 5, 2007 · Kommentar schreiben

Die Globalisierung hat, um mich des schönen Klischeebildes der Medallie zu bedienen, zwei Seiten. Und wenn die eine Seite nun sagen wir mal „Mc Donalds“ ist, dann ist die andere Seite Manu Chao. Die andere Seite ist aber eindeutig mehr als das Klischeebildes des Protestes und sie ist fraglos abhängig, vielleicht sogar Ausdruck der erste Seite. Manu Chao ist also, wenn wir diese Gleichung zu Ende führen, mehr als die Ikone der Globalisierungsgegner, von der in der Berichterstattung rund um sein neues Album oft die Rede ist. Er ist Ausdruck der Globalisierung, auch wenn er keine Francisingkette ist, aber ein Album in vier oder mehr Sprachen, das überall auf der Welt aufgenommen wurde ist zweifellos Globalisierung in Reinkultur, halt nur positive Globalisierung.

Man könnte dieses ganze Globalisierungsding jetzt noch weiter ausbauen, wenn man z.B. bedenkt, dass er war bei einem kleinen Indielabel „Because Music“ ist, seine CD aber von Warner vertrieben wird, er aber statt in einem fünf Sterne Hotel seine Interviews lieber im Biergarten in München gibt oder oder oder.

Das also ist Manu Chao, stellt sich anschließend die Frage, was ist sein Album oder besser wie ist sein Album. Das Erste, was auffällt, ist, dass es erstaunlich gitarrenlastig ist, e-gitarrenlastig. Und die erste Single „Rainin in Paradise“ ist ein exaktes Abbild dieser Veränderung. Der Song hat nur noch wenig mit dem Manu Chao des Clandestino Albums zu tun. Tracks wie“Mama Cuchara“ oder „The Bleedin Clown“ sind andere Beispiele für die Veränderung hin zur E-Gitarre.  Manche der Songs sind so gitarrenlastig, dass sie ohne Probleme in einer (etwas geräumigeren) Indieschublade platzt hätten.

Es finden sich aber noch genung Stücke auf dem Album, die so unverkennbar Manu Chao sind wie eh und je. “La Vida Tombola“, ein Song über die argentinische Fußballlegende Diego Maradona, oder „Me Llaman Calle“, ein Song der mit dem Goya (spanischen Filmpreis) ausgezeichnet wurde, sind solche Songs, die in ihrem Alternative-Reggae-Kleid ohne Probleme auch auf „Clandestino“ platzt gehabt hätten.

Aufgenommen wurde das Album mit seiner Liveband „Radio Bemba“ und man hört, dass sie im Vergleich zu „Proxima Estacion: Esperanza“ im deutlich eingespielter sind und das ganze deutlich runder klingt, auch wenn es überall auf der Welt aufgenommen wurde, mit seinem mobilen „Rucksack-Studio“ und aus vielen Versatzstücken zusammen gesetzt wurde. Aber genau das macht Album rund und man findet immer mal was wieder, wie die Melodie von „El Kitapena“ im Intro von „El Hoyo“. Trotz der Professionalisierung auf der einen Seite mit seiner Band, wohnt dem Sound das handgemachte inne, das man z.B. von dem grandiosen Live Album kennt. An das Live Album, in dem die Songs auch nie zu Ende kamen erinnert „La Radiolina“ ohnehin streckenweise, da die Songs teilweise mit unter zwei Minuten etwas kurz geraten sind.

Um alle Texte lückenlos zu verstehen muss man schon sehr weltgewannt sein, denn Manu Chao springt teilweise in einem Songs zwischen seinen Sprachen Französisch, Englisch, Spanisch oder Portugiesisch. Auf der anderen Seite sind die Lyrics allerdings so leicht verständlich, dass man sie überall versteht. Der starke Country-Reggae „Politik Kills“ in schönstem kaputtem Englisch z.B., das zwar auf den ersten Blick etwas platt wirkt mit Zeilen wie „politik use drugs, politik use bombs, politik needs torpedos, politiks needs blood. Thats why my friend, its an evidence… politik is violence“, aber in seinem gesamten (musikalischen) Kontext mehr zu bieten hat als linke Plattitüden. Und es sind auch seine straßen-poetischen Texte wie eben „Politik Kills“ oder bei „The Bleedin Clowne“ die dem, zugegeben anfangs etwas gewöhnungsbedürftigen, Album seinen Charme verleihen.

Kategorien: Musik