Low Budget Blog

Beiträge vom August 2007

Batman Begins – USA – 2005

August 27, 2007 · Kommentar schreiben

Der fünfte moderne Batman Film, wenn man Tim Burtons (Corpse Bride, Big Fish) ersten Batman Film „Batman“ als Ausgangspunkt wählt, beginnt mit der Szene, die der Fixpunkt für jede spätere Entwicklung des Bruce Wayne (Christian Bale) und der zentrale Baustein in seinem Werdegang zu Batman.
Der junge Bruce stürzt beim Spielen mit der Tochter der Haushälterin und Jugendfreundin Rachel Dawes (Emma Lockhart später Katie Holmes) in einen Brunnen auf dem Anwesen seiner Eltern, dass ist auch schon die wichtigste Neuigkeit, die der Film über den jungen Bruce Wayne zu erzählen hat. Die Szene von dem Mord an seinen Eltern kennt man bereits, auch wenn sie neu eingespielt ist. Nach Jahren der Selbstfindung kehrt Bruce nach Gotham zurück, um für ein besseres Gotham und gegen die organisierte Kriminalität in der Stadt zu kämpfen. Auf dem Tiefpunkt seiner Selbstfindung, wird er von der Gemeinschaft der Schatten aufgenommen, einer geheime Eliteeinheit, die es sich zum Ziel gesetzt hat die Welt zu verbessern und die Unschuldigen zu rächen und ausgebildet, wendet sich aber von ihnen und seinem Freund und Meister Henri Ducard (Liam Neeson) ab, da er ihre totalitäre Racheauffassung nicht teilen kann und Mitleid empfindet.
In der Heimat verwandelt er sich Stück für Stück, ähnlich wie Spiderman im ersten Teil, zu dem Superhelden Batman und macht Jagd auf den Paten von Gotham Carmine Falcone (Tom Wilkinson) und einen durchtrieben Nervenarzt Dr. Jonathan Crane (Cillian Murphy), doch die sind nur Wegbereiter für einen noch monströseren Plan, der droht ganz Gotham zu vernichten.

Christopher Nolan (Prestige, Memento) inszeniert eine ein bombastisches Prequel der Batmat-Reihe, ganz ohne überdrehten Riddler (Jim Carrey) oder Wahnsinnigen á la Mr. Freeze (Arnold Schwarzenegger). Auch wenn spektakuläre Explosionen und Actionszenen sicher nicht zu kurz kommen, bleiben, anders als in den (letzten beiden) Vorgängern, die Charaktere stets authentisch, so dass auch die Superheldenfigur des Batman nie die Bodenhaftung dafür aber das zu Playboy-mäßige eines George Clooney (Batman & Robin) verliert. Was allerdings ein waschechter Helden-Film sein will, kommt ganz ohne Plattitüden dann auch wieder nicht aus, daran mangelt weder der Ausbildung in der Gemeinschaft der Schatten, noch der Beziehung zwischen Bruce und Rachel. Nolan schafft es aber, dass selbst heikle Themen wie die Vaterneurose und Bruce ewige Schuldgefühle, nicht in Stereotypen und Klischees untergehen. Das ist nicht zuletzt auch der guten Leistung der Starriege geschuldet, die Christian Bale zur Seite gestellt wurde und praktisch alle überzeugen können, ob Gary Oldman (Bram Stoker’s Dracula, Leon – der Profi) als guter Cop Gordon, Sir Michael Caine (Get Carter, Children of Men) als stets loyaler Butler Alfred oder Morgan Freeman (Million Dollar Baby, Lucky Number Slevin) in seiner „Paraderolle“ als alter, schlauer, schwarzer Mann, der erst in die Forschungsabteilung verbannt, entlassen und schließlich Chef Manager wird.

Etwas gehetzt wirkt das ganze aber doch und der angeblich mächtigste Kriminelle Gothams Carmine Falcone kriegt nicht genug Zeit seine Figur richtig wirken zu lassen, schnell wird er abserviert und in eine Irrenanstalt verfrachtet, die von dem deutlich konturvollerem Cillian Murphy als Dr. Crane geleitet wird. Die hohe Geschwindigkeit des Films setzt sich folglich in den Kampfszenen weiter durch, die sind zwar eindrucksvoll sind und den Bösewichten schon die Angst im Gesicht geschrieben steht, wenn nur das Licht ausgeht, aber wirklich spektakuläre Kämpfe, wie in „Equilibrium“ oder „Kill Bill“ bleiben dem Film, der durchaus das Potential dazu hätte, verwehrt. Zu hektisch geht es bei den zahlreichen Duellen des Films zu, so dass der Zuschauer nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht und wer da eigentlich wie mit wem kämpft.
Aber genug der Kritik Christopher Nolan schafft eindrucksvolles Popcorn-Kino, einen Actionfilm der trotz Fantasy-Superhelden-Hintergrund nicht zu platt wirkt und neben den genretypischen Actionszenen in U-Bahnen und Straßenschluchten und anderen Materialschlachten, z.B. der Aufsehen erregenden Verfolgungsjagd im Bat-Panzer noch mehr zu bieten hat und sogar eine Story bietet die nicht nur Aufhänger für sonst zusammenhanglose Kämpfe ist.

Batman Begins – USA 2005 – Regie: Christopher Nolaen; Buch: David S. Goyer, Christopher Nolan ; Kamera: Wally Pfister; Schnitt: Lee Smith; Mit: Christian Bale, Sir Michael Cane, Liam Neeson, Katie Holmes, Gary Oldman, Morgan Freeman, Tom Wilkinson

 

Kategorien: Film

What the Bleep Do We Know – Dokumentarfilm – USA – 2004

August 23, 2007 · Kommentar schreiben

„What the Bleep Do We Know“ ist ein „Dokumentarfilm“ über die Quantenmechanik, Neurologie und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Menschen bzw. er wäre gerne ein Dokumentarfilm über die Quantenphysik, Neurologie und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Menschen. Auf Amazon wird der Film entweder vernichtet oder als die Erleuchtung gefeiert, Grund genung ihn mir mal anzuschauen.

Am Anfang des Films wird der Zuschauer erst einmal mit Fragen und Behauptungen der Interviewpartner bombardiert, ohne das dabei aber die Interviewpartner auch nur mit einem Untertitel vorgestellt werden, wem man die ganze Zeit zugehört hat, erfährt der Zuschauer erst ganz zum Schluss. Er erfährt auch erst zum Schluss, dass eine der Interviewten Judith Knight ist, die als Medium das Zentralorgan der Sekte „Ramtha’s School of Enlightenment“ ist, was, wenn man es weiß, die merkwürdig spirituelle Richtung erklärt, die der Film im Laufe der Zeit einschlägt. Unterstützend kommt hinzu, dass die drei Produzenten des Films Schüler dieser Sekte sind, wie Wikipedia verrät.

Man bekommt im Laufe des Films den nicht unberechtigten Eindruck, dass der Film einen nicht mit Argumenten überzeugen will, sondern „bequatschen“ will, der Film will einem nicht die Quatenmechanik oder Neurologie erklären, sondern den Zuschauer auf den Weg der Erleuchtung führen. Das beginnt mit dem oben geschilderten Anfang und zieht sich durch den ganzen Film, indem z.B. pseudowissenschaftliche „Erkenntnisse“ eingestreut werden oder Dinge postuliert werden, man sich aber nicht die Mühe macht sie zu erklären, so dass der Zuschauer eher von den ganzen Fremdwörtern und Theoremen erschlagen als überzeugt wird. Begleitet werden die Interviews von der fiktiven Geschichte um die gehörlose, in ihren schlechten Erinnerungen gefangene Fotografin Amanda (Marlee Matlin) und von unpräzisen aber „actionreichen“ Animationsfrequenzen in denen z.B. gummibär-artige Zellen im Organismus des Menschen randalieren. Die gespielten Szenen sind teilweise von einer Qualität, die VOX-Softpornos zum cineastischen Genuss machen und vermischen sich teilweise wie bei den Wasserstudien von Masaru Emoto, die als Wissenschaft nicht ernstzunehmen sind, aber einen durchaus zentraler Einfluss auf die fiktive Geschichte haben. Die Analogien die in der Geschichte gezogen werden sind wissenschaftlich hoch fragwürdig, wenn der hohle Ball erst auf das Vakuum im Universum und dann auf den Aufbau eines Atoms und eines Atomkerns übertragen wird.

Der deutsche Untertitel „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ ist die zentrale Aussage des Films, der in seinen Interviews versucht die Wahrnehmung von pysischen und psychischen Erfahrungen, das gesamte Weltbild der Zuschauer zu demontieren. Der Film knüpft in gewisserweise an die Idee von „Matrix“ an, in dessen ersten Teil es ja auch um die Dekonstruktion des Weltbildes von Neo geht. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt und „What the Bleep Do We Know“ nie an die Qualität von „Matrix“ heran reicht, begeht auch „What the Bleep Do We Know“ seinen größten Fehler, als er die Bahnen der Wissenschaft verlässt und sich auf eine metaphysische Ebene begibt, indem er versucht ein Gottesbild zu konstruieren bzw. sich auf die Fragen der Sinngebung einläßt, wie die späteren „Matrix“-Teile.

Aus „V wie Vendetta“ ist glaube ich das Zitat, „~dass Politiker lügen um die Wahrheit zu verschleiern, während Künstler lügen um die Wahrheit zu zeigen“. So ähnlich verhält es sich mit diesem Film aus der Feder der “Ramtha’s School of Enlightenment“-Sekte, der als politischer Film den Zuschauer erleuchten will und dabei viel der Wahrheit verschleiert, während einen ein Film wie „Matrix“, der vor allem unterhalten will, der ehrlichere Film ist der auch mehr zum Denken anregt. Wer also einen interessanten Film über das (Nicht-)Wissen sucht ist mit vielem besser beraten, als mit diesem manipulativen Film. Auch wenn die Idee nicht schlecht ist, ist das, was daraus gemacht wurde, nur schwer zu ertragen.

Zusatz: Die offizielle Website von Bleep erklärt, das Judi Knight nichts mit der Ramtha Sekte zu tun hat und es sich um eine Verwechslung mit einer anderen Frau handelt. Die fragwürdige Spiritualität bleibt, auch ohne konkreten Sektenhintergrund. Fragwürdig außerdem, dass auf der Homepage für ein „freespirit“ Seminar geworben wird, dass mit 2000€ sicherlich nicht gerade als Schnäppchen zu beschreiben ist.

What the Bleep Do We Know – USA – 2004: Regie: William Arntz, Betsy Chasse, Mark Vicente; Buch: William Arntz, Betsy Chasse, Matthew Hoffmann, Mark Vicente; Kamera: David Bridges, Mark Vicente; Schnitt: Jonathan P. Shaw; Mit: Marlee Matlin, Elaine Hendrix, Barry Newman… Interviewpartner: William Tiller, Emoto Masaru, Judith Knight

Kategorien: Dokumentarfilm · Film

Dürre in Rheinland-Pfalz

August 22, 2007 · Kommentar schreiben

Kinolandschaft um Trier

Ich bin auf der Seite des Verbandes der Filmverleiher  auf eine Kinolandkarte gestoßen, die mich entsetzt! Man merkt mal wieder, dass man sich mit Trier in allen Belangen den besten Studierenort ausgesucht hat. Es gibt nirgends in der ganzen Gegend sowenige Kinos wie in der Gegend um Trier. Selbst im Deutschlandvergleich schneidet der Trierer Raum selten schlecht ab. Nur in eigenen Gegenden Brandenburgs, Sachsenanhalts und Niedersachsens gibt es noch weniger Kinos als um Trier. In Trier selbst ist die Situation ja auch nicht gerade rosig mit gerade mal zwei ernst zu nehmenden Kinos.

Das nächste Problem mit Trier und den Kinos ist, das hier lange nicht jeder Film der eigentlich dringend gezeigt werden müsste in die Kinos kam, nach einer Vorführung von David Lynchs neustem Film „Inland Empire“ suchte man hier vergeblich. Mainz war nach meiner kurzen Recherche die näheste Stadt, in der „Inland Empire“ aufgeführt wurde. Jetzt warte ich halt auf den DVD-Verleihstart.

Auch „Tuyas Hochzeit“ der diese Woche anlaufen soll sucht man in Trier vergeblich, obwohl der Film immerhin mit dem goldenen Bären auf der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet wurde. So werde ich mir diesen Film wohl nächste Woche in Frankfurt angucken müssen.

Einen Vorteil hat die Region dann doch, für den ich zwar keine empirischen Daten habe, aber immerhin mit eigener Erfahrung dienen kann und zwar ist meiner Ansicht nach, das Kinogehe in Trier relativ günstig. Für die 4 € an den Kinotagen, die eine Karte hier im Broadway kostet, kann man in Frankfurt gerade mal eine Tüte Popkorn kaufen, aber keine Kinokarte.  Der Süddeutschen Zeitung war heute zu entnehmen, dass eine Kinokarte im bundesdeutschen Durchschnitt 5,90 kostet, was einen normal Preis von 6,50 am Wocheende, dann auch schon wieder nicht gar so günstig erscheinen lässt. Hinzu kommt die Unsitte der letzten Jahre vieler Kinos, besonders der großen Multiplexe, bei praktisch jedem Film einen Überlängezuschlag zu verlangen. Und die Verleiher wundern sich über einen Rückgang bei den Besucherzahlen (um 1,67% in diesem Jahr bisher).

Wen die gesamte Kinolandkarte Deutschlands interessiert, der kann sie hier downloaden.

Kategorien: Film

Zusammen ist man weniger allein – Frankreich – 2007

August 18, 2007 · Kommentar schreiben

„Zusammen ist man weniger allein“ ist ein Feel-Good Movie von Claude Berri (Lucie Aubrac, Asterix & Obelix gegen Caesar) und Audrey Tautou (Die fabelhafte Welt der Amélie). Und das erste, was man klar stellen muss, dass man diesen Film nicht mit Hollywood Schnulzen wie „Ein Chef zum Verlieben“ verwechseln sollte, vielmehr erinnert er an „Die fabelhafte Welt der Amélie“, was nicht zuletzt natürlich auch an der Hauptdarstellerin Audrey Tautou liegt.

Der Film handelt von einer ungewöhnlichen WG, in der erst nur Franck (Guillaume Canet) und Philibert (Laurent Stocker) wohnen. Franck ist Koch und wurde in seiner Kindheit von seiner Mutter bei seinen Großeltern abgeladen. Er bringt Frauen, nachdem er sich von seiner Freundin getrennt hat, nur noch für eine Nacht nach Hause und muss sich, wenn er nicht gerade arbeitet um seine Großmutter kümmern, die im Krankenhaus liegt und zu alt ist, um noch alleine zu wohnen. Philibert stottert und ist Postkartenverkäufer in einem Museum, er entstammt einer Adelsfamilie, mit denen er außer an Weihnachten auch nicht mehr viel zu tun hat. Im selben Haus wohnt noch Camille Fauque (Audrey Tautou), die als Putzfrau arbeitet und ebenfalls ein gestörtes Verhältnis zu ihrer Familie hat. Was sich erst einmal etwas platt anhört, wegen der doch recht ähnlichen Familiengeschichte, wird aber so erzählt, dass diese Gemeinsamkeit sich erst im Laufe des Films entfaltet und einen nicht von Anfang an auf einem Silbertablett serviert wird.

Auf eine zufällige Begegnung von Camille und Philibert im Treppenhaus folgt ein gemeinsames „Picknick“ in ihrem kleinen ungeheizten Zimmer. Als Sie dann erkrankt holt der fürsorgliche Phillibert sie in die WG um sie gesund zu pflegen. Franck, der mit seinem Job und seiner Großmutter schon genung um die Ohren hat, ist erst wenig begeistert von der „Nervensäge“, die ihm als er sich Nachts bei lauter Musik mit einer seiner zahlreichen Frauenbesuche amüsiert auch noch die Stereoanlage zerstört. Aber das ist schon der Anfang vom Ende der Feindschaft der beiden, die sich langsam kennenlernen und Franck bemerkt, wie sich nicht nur seine Beziehnung zu Camillie, sondern auch zu Philibert zu ändern beginnt. Letztlich entwickelt sich eine genretypische Geschichte um gegenseitiges Vertrauen und dem Überwinden des eigenen Egos. Auch wenn sich diese Geschichte in der Zusammenfassung etwas klischeegeladen anhört vermeidet Claude Berri bei seiner Erzählung aber gekonnt alle schnulzigen Stereotypen und ausgetretene Pfade der Hollywood-Lovestorys und setzt auf Authentizität und Ehrlichkeit der Charaktere. Der schüchterne, ängstliche, eigentümlich Philibert wird nicht von einem Tag auf den anderen zum neuen Menschen, sondern wächst langsam aber sicher aus seiner alten Rolle hinaus und schafft es den Druck seiner Familie durch ein Kabarettprogramm zu ventilieren. Die Charaktere wandeln sich langsam und realistisch, ihre Beziehung wächst mit jeder neuen Situation, z.B. wenn Franck mit der Worten „Ich versuch gerade eine Frau rumzukriegen“ seinem Chef am Telefon erklärt wo er sich gerade herrumtreibt, als er sich von Camille zeichnen lässt und er dabei aber einen Aushilfsjob für sie in dem Restaurant in dem er arbeitet organisiert und diese Szene Sinnbild für das neue Frauenbild oder speziell das neue Bild von Camille wird.. Allen Figuren, sind eigenwillig und unsympathisch genug um diese Art Ehrlichkeit zu erzeugen, die man im Mainstreamkino so oft vermisst.

Claude Berri erzählt seine Geschichte ohne Hast und gibt jedem Bild genügend Zeit sich zu entfalten, z.B. wenn Camille Francks Großmutter Paulette (Françoise Bertin) in ihrem Zimmer in der alten adeligen Wohnung zeichnet und die junge Schönheit der Würde und Schönheit des Alters entgegenstellt. Seine Zeitsprünge waren für mich aber nicht immer auf anhiebt nach vollziehbar, auch wenn die Geschichte streng linear erzählt ist, so ist nicht immer klar, ob nach einem Schnitt ein paar Minute, 10 Tage oder vier Wochen vergangen sind, allerdings findet man sich dann doch relativ schnell wieder ein.

Der Film ist zugegebener Maßen von dem sehr französischen Amélie-Flair geprägt, der von der charmanten Audrey Tautou ausgeht, kopiert den Film aber nicht in einer Szene, sondern schafft eine eigene Atmosphäre über Menschen, die in einander sich selbst finden. So eine Erzählung kommt natürlich nicht ohne standesgemäßes Happyend aus, aber was wäre das auch für ein „Feel-Good Movie“ wenn am Schluss alle stürben wie im klassischen Drama. Ein unaufgeregter sympathischer Film, nachdem man das Kino mit einem wohligen Gefühl verlässt.

Kategorien: Film

Flags of our Fathers & Letters from Iwo Jima – USA 2006

August 16, 2007 · Kommentar schreiben

Die Filme Flags of our Fathers und Letters from Iwo Jima sind eine mehr oder weniger zusammenhängende Geschichte über den Kampf um die Insel Iwo Jima im zweiten Welt Krieg, die vom Regisseure Clint Eastwood erst aus amerikanischer, dann aus japanischer Sicht erzählt wurde.

Flags of our Fathers erzählt über verschiedene Rückblenden und Zeitebenen die Geschichte des wahrscheinlich berühmtesten Fotos der amerikanischen Kriegsgeschichte. Der Film erzählt von der Rückkehr der Helden Rene Gagnon (Jesse Bradford), dem indianisch stämmige Ira Hayes (Adam Beach) und dem Sanitäter John „Doc“ Bradley (Ryan Phillippe), die, weil sie die letzten überlebenden der Truppe auf dem Fotos sind, zurückberufen wurden um die Werbetrommel für Kriegsanleihen zu rühren, damit der Krieg nicht wegen leerer Kassen abgebrochen werden muss. Trotz einiger Zweifel am Anfang lassen die Soldaten sich darauf ein, da es ja schließlich um das Wohl des Vaterlandes gibt und Ruhm und Ehre winkt, statt Tod und Vergessen. Speziell der Doc und Ira werden immer wieder von den Ereignissen auf der Insel eingeholt und Ira, der es nicht ertragen kann, seine Kameraden alleine zurückgelassen zu haben, wird, nachdem er es nur im Suff ertragen konnte, wieder zurück in den Krieg geschickt.

Der Film zeigt auch, über die Recherchen von Johns Sohn, wie das weitere Leben der Helden von Iwo Jima verlaufen ist und wie schnell ihr Ruhm, ähnlich wie der eines Forest Gumps, verblüht ist und von all den Jobs die sie angeboten bekamen keiner zu haben ist. Die Geschehnisse des Krieges sind in Flashbacks der überlebenden erzählt und zeigen vor allem, wie einer ihrer Kameraden nachdem anderen getötet wird beim Sturm auf die Insel und natürlich die Geschichte der Flagge und des Fotos um das sich die gesamte Handlung dreht.

Eastwood (Erbarmungslos, Million Dollar Baby) hat einen Film über die amerikanische Heldenkultur gedreht. Von all ihren Höhen, ihren Tiefen und vor allem ihrer Oberflächlichkeit handelt dieser Film, dem es dadurch auf drastische Weise gelingt die Sinnlosigkeit des Kriegs zu zeigen, leider kommt er dann zum Schluss doch nicht mehr ohne Pathos für die ganzen „kleinen Helden des Krieges“ aus, aber das wäre für einen amerikanischen Weltkriegsfilm vielleicht auch etwas zu viel verlangt.
Zurück in den Staaten werden die Überlebenden des Fotos auf Massenveranstaltungen gefeiert und sogar der Präsident „bittet“ sie, doch bitte für die Kriegsanleihen Werbung zu machen. Die Show um die drei Kameraden verkommt an ihren großen inszenierten Höhepunkten völlig zur Farce, wenn sie z.B. auf einem Berg aus Pappmaschee in einem Stadion voll jubelnder Amerikaner die Flaggenszene nachstellen sollen und Ira, da er es einfach nicht aushält so betrunken ist, dass er sich kaum noch aufrecht halten kann. Oder wenn Minister und wichtige Industrielle und Schauspieler, die selbst keine Ahnung vom Krieg haben, platte Witze reißen und den Soldaten kumpelhaft auf die Schulter klopfen, mehr um sich selbst zu feiern, als sich wirklich mit den Rückkehrern zu beschäftigen. Aber auch die Soldaten spielen das Spiel und lassen beispielsweise die Mutter eines gefallen Soldaten, der fälschlicherweise für einen der Fahnenaufsteller gehalten wurde, erklären wo auf dem Bild ihr Sohn ist, weil es Hoffnung gibt und sie es nicht übers Herz bringen ihre Träume zu zerstören, während die Mutter des Soldaten der tatsächlich auf dem Foto zu sehen ist und welche das auch direkt erkannt hat, auf keine der Veranstaltungen eingeladen wird, bis sich, nachdem der Schwindel aufgedeckt wird, die Rollen radikal umdrehen.

So schnell wie die drei zu Helden wurden, so schnell sind sie auch wieder vergessen bei der Bevölkerung und bei den kumpelhaften Industriellen, die Ihnen noch alle möglichen Jobs angeboten hatten, weil wer Kriegsanleihen verkaufen kann, der kann auch Häuser verkaufen. Nur Ira, der indianische Exot, wird immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt und noch im Gefängnis oder der Feldarbeit von Fotografen aufgesucht, auch wenn er noch so oft beteuert kein Held gewesen zu sein, er habe doch schließlich „nur versucht nicht erschossen zu werden“. Die Helden sind nur Helden der Kriegspropaganda nicht in ihrer eigenen Wahrnehmung.
Die Soldaten waren immer nur Werbemittel und nicht mehr, berühmt wegen eines Fotos, das in Wahrheit nicht viel, aber für die amerikanische Bevölkerung den Sieg bedeutete. Drastisch wird die Pappmaschee-Welt der Helden mit den kontrastarmen fast schwarz-weißen Bildern des Krieges kontrastiert, die mit ihrer Brutalität so garnicht zu den glanzvollen Galas und Empfängen passen wollen die die Kameraden absolvieren müssen. Eastwood spart im Krieg nicht mit blutigen Bildern und zeigt auch sich selbst mit Granaten getötete japanische Soldaten, wie es dazu kam wird in Letters from Iwo Jima noch erklärt. Die Beiläufigkeit mit der der Tod im Krieg daher kommt ist erschreckend, wenn beim Sturm auf den Strand ein verwundeter Soldaten vom eigenen Panzer überrollt wird, ohne das jemand etwas dagegen unternimmt oder unternehmen könnte. Die Bilder sind eindrucksvoll, verkommen aber unteranderem wegen ihrer Kontrastarmut nicht zu seelenlosen Plastikaufnahmen wie in Jerry Bruckheimers Blockbuster „Pearl Harbor“ (2001) von „Transformers“ (2007) Regisseure Michael Bay.

Es geht Eastwood weniger um die großen Heldentaten im Krieg, so wird der finale Sieg in Iwo Jima gar nicht gezeigt, sondern viel mehr um die Sinnlosigkeit des Kriegs, den Versuch das Volk durch Propaganda für ihn zu gewinnen und den Versuch eines ganzen Volkes und der Soldaten mit dem Erlebten fertig zu werden.

In „Letters from Iwo Jima“ verfolgt Eastwood einen vollkommen anderern Ansatz und wenn der letzte Film gerade zum Schluss schon etwas langatmig war mit seinen 131 Minuten setzt er mir den 141 von „Letters from Iwo Jima“ noch einen drauf, was meiner Ansicht nach nicht unbedingt hätte sein müssen, da dem Film ab und an etwas an Spannung fehlt.

Die Handlung ist logischerweise wieder im Rahmen des Kriegs um die besagte Insel nur eben dieses mal aus der Perspektive der Japaner. Held der Geschichte ist dieses mal der junge japanische Soldat Saigo (Kazunari Ninomiya), der auf Befehl des Kaisers einberufen wird, aber mit dem Krieg eigentlich nichts zu tun haben will und dem es offensichtlich schwer fällt den Befehlen zu gehorchen, wenn er nicht von deren Nutzen überzeugt ist und beim Schießen mit dem Gewehr so Zittert, dass er zum Boten abberufen wird. Die andere Hauptperson ist der General Kuribayashi (Ken Watanabe), der das Kommando über die Truppen auf der Insel übertragen kriegt und sich gegen die eingerosteten Strukturen und Traditionen durchsetzten muss, um mit seiner Idee der modernen Kriegsführung, die er selbst in Amerika gelernt hat, überhaupt eine Chance gegen die deutlich überlegene amerikanische Armee zu haben.

Die japanische Armee verschanzt sich in einem Höhlensystem unter der Insel um die Amerikaner aus dem Hinterhalt angreifen zu können. Fast der gesamte Film spielt folglich in den Katakomben unter der Insel und die gehabte Kontrastarmut lässt die Bilder so fast zu schwarz-weiß Aufnahmen werden. Passend dazu die Gedankenstruktur der Japaner, die den Krieg vor allem als Kampf für die Ehre wahrnehmen und sich so in einer ausweglosen Situation lieber mit Granaten selbst umbringen, als den Amerikanern in die Hände zu fallen. Die Offiziere nehmen den General, mit seinen ungewöhnlichen Methoden und seiner Freundschaft zu den Amerikanern nicht ernst und treiben ihre Leute lieber in den Tod, als sich auf Befehl des Generals zurückzuziehen. In den Höhlen entbrennt ein Kampf um die Loyalität der Soldaten, der an dem zweifelnden und um sein Leben fürchtenden Saigo illustriert wird. Hatte „Flags of our Fathers“ noch einige Merkmale eines „gewöhnlichen“ Kriegsepos, auch wenn der Schwerpunkt eher auf der Propagandamechanerie lag, inszeniert Eastwood „Letters From Iwo Jima“ ganz im Stil eines Kammerspiels um Loyalität, Tradtionen und dem Wunsch zu überleben. Verschärft wird die Situation der japanischen Arme noch durch die prekäre Lebensmittelsituation und das ungesunde aber dafür knappe Trinkwasser, das zum Ende des Films auch noch ganz ausgeht.

Neben dem Kampf um Loyalität ist es ein Kampf für Menschlichkeit im Krieg, so lässt der General den verwundeten Amerikaner Sam verarzten, obwohl die Medikamente knapp sind, während zwei amerikanische Soldaten zwei desertierte Japaner erschießen, weil sie keine Lust haben, sich die Nacht für die zwei, die sie bewachen sollen, um die Ohren zu schlagen. In den Höhlen entsteht ein stetiges Gefühl des Misstrauens, zwischen den untergebenen Lieutenanten und dem General, bei deren Konflikten man immer das Gefühl eines drohenden Putschs im Nacken spürt und sogar zwischen den Soldaten, als heraus kommt, dass einer von ihnen ein (ehemaliger) Militärpolizist ist herrscht stetiges Misstrauen. Wenn „Flags of our Fathers“ ein Film über die Motivation (der Bevölkerung9 für den Krieg ist, so ist „Letters from Iwo Jima“ ein Film über die Demotivation, Demoralisierung der Truppe.

SPOILER

Saigo ist zum Schluss der letzte Japaner, der gezeigt wird, der überlebt hat und nicht von den Amerikanern getötet wird, obwohl er, nachdem der General gestorben ist in einem Anfall der Verzweiflung mit einer Schaufel auf die Amerikaner losgeht, die ihn niederschlagen, ihn aber medizinisch versorgen.

SPOILER ENDE

Es bleiben zwei sehr interessante Filme, die für Kriegsfilme relativ pathosarm sind und deren Ziel nicht die Glorifizierung des Krieges ist, sondern das aufzeigen der Sinnlosigkeit. Interessant ist auch, dass Eastwood sich nicht wiederholt, in dem er die Geschichte der Amerikaner einfach auf die japanische Seite überträgt, sondern sich ein völlig neues Konzept der Inszenierung überlegt. Der Krieg bleibt letztlich nur Rahmenhandlung für das Schicksal der Soldaten und deren Verarbeitung des Kriegs, was sich auch an den Kampfszenen zeigt, die zwar aufwendig inszeniert sind, aber sich z.B. beim Sturm auf dem Strand wiederholen und auf ein Minimum, besonders im zweiten Film, reduziert sind.

Kategorien: Film