Die Filme Flags of our Fathers und Letters from Iwo Jima sind eine mehr oder weniger zusammenhängende Geschichte über den Kampf um die Insel Iwo Jima im zweiten Welt Krieg, die vom Regisseure Clint Eastwood erst aus amerikanischer, dann aus japanischer Sicht erzählt wurde.
Flags of our Fathers erzählt über verschiedene Rückblenden und Zeitebenen die Geschichte des wahrscheinlich berühmtesten Fotos der amerikanischen Kriegsgeschichte. Der Film erzählt von der Rückkehr der Helden Rene Gagnon (Jesse Bradford), dem indianisch stämmige Ira Hayes (Adam Beach) und dem Sanitäter John „Doc“ Bradley (Ryan Phillippe), die, weil sie die letzten überlebenden der Truppe auf dem Fotos sind, zurückberufen wurden um die Werbetrommel für Kriegsanleihen zu rühren, damit der Krieg nicht wegen leerer Kassen abgebrochen werden muss. Trotz einiger Zweifel am Anfang lassen die Soldaten sich darauf ein, da es ja schließlich um das Wohl des Vaterlandes gibt und Ruhm und Ehre winkt, statt Tod und Vergessen. Speziell der Doc und Ira werden immer wieder von den Ereignissen auf der Insel eingeholt und Ira, der es nicht ertragen kann, seine Kameraden alleine zurückgelassen zu haben, wird, nachdem er es nur im Suff ertragen konnte, wieder zurück in den Krieg geschickt.
Der Film zeigt auch, über die Recherchen von Johns Sohn, wie das weitere Leben der Helden von Iwo Jima verlaufen ist und wie schnell ihr Ruhm, ähnlich wie der eines Forest Gumps, verblüht ist und von all den Jobs die sie angeboten bekamen keiner zu haben ist. Die Geschehnisse des Krieges sind in Flashbacks der überlebenden erzählt und zeigen vor allem, wie einer ihrer Kameraden nachdem anderen getötet wird beim Sturm auf die Insel und natürlich die Geschichte der Flagge und des Fotos um das sich die gesamte Handlung dreht.
Eastwood (Erbarmungslos, Million Dollar Baby) hat einen Film über die amerikanische Heldenkultur gedreht. Von all ihren Höhen, ihren Tiefen und vor allem ihrer Oberflächlichkeit handelt dieser Film, dem es dadurch auf drastische Weise gelingt die Sinnlosigkeit des Kriegs zu zeigen, leider kommt er dann zum Schluss doch nicht mehr ohne Pathos für die ganzen „kleinen Helden des Krieges“ aus, aber das wäre für einen amerikanischen Weltkriegsfilm vielleicht auch etwas zu viel verlangt.
Zurück in den Staaten werden die Überlebenden des Fotos auf Massenveranstaltungen gefeiert und sogar der Präsident „bittet“ sie, doch bitte für die Kriegsanleihen Werbung zu machen. Die Show um die drei Kameraden verkommt an ihren großen inszenierten Höhepunkten völlig zur Farce, wenn sie z.B. auf einem Berg aus Pappmaschee in einem Stadion voll jubelnder Amerikaner die Flaggenszene nachstellen sollen und Ira, da er es einfach nicht aushält so betrunken ist, dass er sich kaum noch aufrecht halten kann. Oder wenn Minister und wichtige Industrielle und Schauspieler, die selbst keine Ahnung vom Krieg haben, platte Witze reißen und den Soldaten kumpelhaft auf die Schulter klopfen, mehr um sich selbst zu feiern, als sich wirklich mit den Rückkehrern zu beschäftigen. Aber auch die Soldaten spielen das Spiel und lassen beispielsweise die Mutter eines gefallen Soldaten, der fälschlicherweise für einen der Fahnenaufsteller gehalten wurde, erklären wo auf dem Bild ihr Sohn ist, weil es Hoffnung gibt und sie es nicht übers Herz bringen ihre Träume zu zerstören, während die Mutter des Soldaten der tatsächlich auf dem Foto zu sehen ist und welche das auch direkt erkannt hat, auf keine der Veranstaltungen eingeladen wird, bis sich, nachdem der Schwindel aufgedeckt wird, die Rollen radikal umdrehen.
So schnell wie die drei zu Helden wurden, so schnell sind sie auch wieder vergessen bei der Bevölkerung und bei den kumpelhaften Industriellen, die Ihnen noch alle möglichen Jobs angeboten hatten, weil wer Kriegsanleihen verkaufen kann, der kann auch Häuser verkaufen. Nur Ira, der indianische Exot, wird immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt und noch im Gefängnis oder der Feldarbeit von Fotografen aufgesucht, auch wenn er noch so oft beteuert kein Held gewesen zu sein, er habe doch schließlich „nur versucht nicht erschossen zu werden“. Die Helden sind nur Helden der Kriegspropaganda nicht in ihrer eigenen Wahrnehmung.
Die Soldaten waren immer nur Werbemittel und nicht mehr, berühmt wegen eines Fotos, das in Wahrheit nicht viel, aber für die amerikanische Bevölkerung den Sieg bedeutete. Drastisch wird die Pappmaschee-Welt der Helden mit den kontrastarmen fast schwarz-weißen Bildern des Krieges kontrastiert, die mit ihrer Brutalität so garnicht zu den glanzvollen Galas und Empfängen passen wollen die die Kameraden absolvieren müssen. Eastwood spart im Krieg nicht mit blutigen Bildern und zeigt auch sich selbst mit Granaten getötete japanische Soldaten, wie es dazu kam wird in Letters from Iwo Jima noch erklärt. Die Beiläufigkeit mit der der Tod im Krieg daher kommt ist erschreckend, wenn beim Sturm auf den Strand ein verwundeter Soldaten vom eigenen Panzer überrollt wird, ohne das jemand etwas dagegen unternimmt oder unternehmen könnte. Die Bilder sind eindrucksvoll, verkommen aber unteranderem wegen ihrer Kontrastarmut nicht zu seelenlosen Plastikaufnahmen wie in Jerry Bruckheimers Blockbuster „Pearl Harbor“ (2001) von „Transformers“ (2007) Regisseure Michael Bay.
Es geht Eastwood weniger um die großen Heldentaten im Krieg, so wird der finale Sieg in Iwo Jima gar nicht gezeigt, sondern viel mehr um die Sinnlosigkeit des Kriegs, den Versuch das Volk durch Propaganda für ihn zu gewinnen und den Versuch eines ganzen Volkes und der Soldaten mit dem Erlebten fertig zu werden.
In „Letters from Iwo Jima“ verfolgt Eastwood einen vollkommen anderern Ansatz und wenn der letzte Film gerade zum Schluss schon etwas langatmig war mit seinen 131 Minuten setzt er mir den 141 von „Letters from Iwo Jima“ noch einen drauf, was meiner Ansicht nach nicht unbedingt hätte sein müssen, da dem Film ab und an etwas an Spannung fehlt.
Die Handlung ist logischerweise wieder im Rahmen des Kriegs um die besagte Insel nur eben dieses mal aus der Perspektive der Japaner. Held der Geschichte ist dieses mal der junge japanische Soldat Saigo (Kazunari Ninomiya), der auf Befehl des Kaisers einberufen wird, aber mit dem Krieg eigentlich nichts zu tun haben will und dem es offensichtlich schwer fällt den Befehlen zu gehorchen, wenn er nicht von deren Nutzen überzeugt ist und beim Schießen mit dem Gewehr so Zittert, dass er zum Boten abberufen wird. Die andere Hauptperson ist der General Kuribayashi (Ken Watanabe), der das Kommando über die Truppen auf der Insel übertragen kriegt und sich gegen die eingerosteten Strukturen und Traditionen durchsetzten muss, um mit seiner Idee der modernen Kriegsführung, die er selbst in Amerika gelernt hat, überhaupt eine Chance gegen die deutlich überlegene amerikanische Armee zu haben.
Die japanische Armee verschanzt sich in einem Höhlensystem unter der Insel um die Amerikaner aus dem Hinterhalt angreifen zu können. Fast der gesamte Film spielt folglich in den Katakomben unter der Insel und die gehabte Kontrastarmut lässt die Bilder so fast zu schwarz-weiß Aufnahmen werden. Passend dazu die Gedankenstruktur der Japaner, die den Krieg vor allem als Kampf für die Ehre wahrnehmen und sich so in einer ausweglosen Situation lieber mit Granaten selbst umbringen, als den Amerikanern in die Hände zu fallen. Die Offiziere nehmen den General, mit seinen ungewöhnlichen Methoden und seiner Freundschaft zu den Amerikanern nicht ernst und treiben ihre Leute lieber in den Tod, als sich auf Befehl des Generals zurückzuziehen. In den Höhlen entbrennt ein Kampf um die Loyalität der Soldaten, der an dem zweifelnden und um sein Leben fürchtenden Saigo illustriert wird. Hatte „Flags of our Fathers“ noch einige Merkmale eines „gewöhnlichen“ Kriegsepos, auch wenn der Schwerpunkt eher auf der Propagandamechanerie lag, inszeniert Eastwood „Letters From Iwo Jima“ ganz im Stil eines Kammerspiels um Loyalität, Tradtionen und dem Wunsch zu überleben. Verschärft wird die Situation der japanischen Arme noch durch die prekäre Lebensmittelsituation und das ungesunde aber dafür knappe Trinkwasser, das zum Ende des Films auch noch ganz ausgeht.
Neben dem Kampf um Loyalität ist es ein Kampf für Menschlichkeit im Krieg, so lässt der General den verwundeten Amerikaner Sam verarzten, obwohl die Medikamente knapp sind, während zwei amerikanische Soldaten zwei desertierte Japaner erschießen, weil sie keine Lust haben, sich die Nacht für die zwei, die sie bewachen sollen, um die Ohren zu schlagen. In den Höhlen entsteht ein stetiges Gefühl des Misstrauens, zwischen den untergebenen Lieutenanten und dem General, bei deren Konflikten man immer das Gefühl eines drohenden Putschs im Nacken spürt und sogar zwischen den Soldaten, als heraus kommt, dass einer von ihnen ein (ehemaliger) Militärpolizist ist herrscht stetiges Misstrauen. Wenn „Flags of our Fathers“ ein Film über die Motivation (der Bevölkerung9 für den Krieg ist, so ist „Letters from Iwo Jima“ ein Film über die Demotivation, Demoralisierung der Truppe.
SPOILER
Saigo ist zum Schluss der letzte Japaner, der gezeigt wird, der überlebt hat und nicht von den Amerikanern getötet wird, obwohl er, nachdem der General gestorben ist in einem Anfall der Verzweiflung mit einer Schaufel auf die Amerikaner losgeht, die ihn niederschlagen, ihn aber medizinisch versorgen.
SPOILER ENDE
Es bleiben zwei sehr interessante Filme, die für Kriegsfilme relativ pathosarm sind und deren Ziel nicht die Glorifizierung des Krieges ist, sondern das aufzeigen der Sinnlosigkeit. Interessant ist auch, dass Eastwood sich nicht wiederholt, in dem er die Geschichte der Amerikaner einfach auf die japanische Seite überträgt, sondern sich ein völlig neues Konzept der Inszenierung überlegt. Der Krieg bleibt letztlich nur Rahmenhandlung für das Schicksal der Soldaten und deren Verarbeitung des Kriegs, was sich auch an den Kampfszenen zeigt, die zwar aufwendig inszeniert sind, aber sich z.B. beim Sturm auf dem Strand wiederholen und auf ein Minimum, besonders im zweiten Film, reduziert sind.